Herbsttagung 2024 in Südlohn

Herbsttagung 2024 in Südlohn
2. November 2024
Südlohn, Haus Wilmers
ab 9.30 Uhr: Eintreffen, Kaffee
9.50 Uhr: Begrüßung
10.00 Uhr
Dr. Volker Jakob (Havixbeck)
Migration und ihre Varianten.
Anmerkungen zur Geschichte eines schillernden Begriffs
11.00 Uhr
Gisbert Strotdrees (Münster)
„Westfalczycy“, Displaced Persons, Spargelstecher:
Migrationen aus Polen nach Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert
12.00-13.15 Uhr Mittagspause: Gelegenheit zu einem Imbiss im „Da Fabio“
13.30 Uhr
Iman Kousheshrani (Borken)
Vom Iran ins Münsterland – Mein Weg zur Integration
14.30 Uhr
Dr. Christoph Lorke (LWL, Münster)
Vertriebene, „Gastarbeiter“, Aus- und Übersiedler:
Migration und „Fremdheit“ im Münsterland und darüber hinaus (1945 bis heute)
15.30 Uhr: Diskussion
16.00 Uhr: Ende der Tagung
In seiner Begrüßung konnte Dr. Bruno Fritsch zahlreiche Besucher, auch Nichtmitglieder, und die Referenten Dr. Volker Jakob (Havixbeck), Gisbert Strotdrees (Münster) und Dr. Christoph Lorke (Münster) willkommen heißen.
Der Einführungsvortrag von V. Jakob (Foto) beleuchtete anschaulich die vielschichtige Geschichte der Migration im 20. Jahrhundert, mit dem Ergebnis, dass – erst recht durch den Zweiten Weltkrieg – weite Teile der europäischen Bevölkerung von Migration betroffen waren.
Einen speziellen Fall zeigte dann G. Strotdrees (Foto) an der Arbeitswanderung polnischer und preußischer (!) Polen auf, die im westdeutschen Bergbau deutlich besser verdienten als in heimischen Landen. Von „Integration“ kann jedoch nur bedingt die Rede sein, da sich die „Ruhrpolen“ als eine eigene Gruppe verstanden und überwiegend unter sich blieben. Sprachliche Hürden begrenzten den Erfolg von sozialer Integration, trotz mancher auffälliger Ausnahmen, etwa im Bereich des Sports bzw. Fußballs.
Dass sich gewisse Parallelen seit etwa 1960 in der westdeutschen Industrie im Zuge der Anwerbung und oft dauerhaften Ansiedlung von südeuropäischen „Gastarbeitern“ entwickelten, war einer der zentralen Aspekte im Vortrag von Chr. Lorke (Foto) am Nachmittag. Auch in dieser Migrationsgeschichte dominierte die Heirat und Familiengründung im eigenen kulturellen Milieu. Das Interesse der einheimischen Bevölkerung an den Zugezogenen wurde stärker und intensiver, so dass Austausch häufig organisiert wurde und in den (Sport-)Vereinen gelebte Wirklichkeit wurde.
Inzwischen traf der gebürtige Iraner Iman Kousheshrani ein, selbst Flüchtling der „ersten Stunde“ um 2015. Seine Erzählung von den Ursachen der Flucht und von den Problemen des Ankommens – zunächst im Gastort Borken, dann im Gastland Deutschland –, schließlich vom selbstbewussten Sich-Durchkämpfen, auch im Studium und Beruf und im nachdrücklichen Integrationswillen, beeindruckte die Zuhörer stark. Zwei Elemente haben seine inzwischen weitgehende – auch sprachliche – Integration begleitet und gefördert: die persönliche Unterstützung durch einen Mitarbeiter der Borkener VHS und die Freunde an der Kneipentheke in Gemen.
Hinweis:
Die drei ersten Vorträge der Tagung sind abgedruckt im Bd. 9/2025 des GhL-Jahrbuchs „Historische Landeskunde des Westmünsterlandes“.

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