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Bruno Fritsch
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Bruno Fritsch2026-07-16 16:16:392026-07-16 18:17:11Neues Museum zum 80-jährigen KriegAm 12. April 2025 konnte in Groenlo das Nationaal Museum Tachtigjarige Oorlog (NMTO), das Nationale Museum 80-jähriger Krieg in Groenlo eröffnet werden.
Das Städtchen Groenlo im Achterhoek ist Nachbarstadt von Vreden, liegt nur wenige Kilometer westlich von Zwillbrock. Viele Münsterländer kennen das idyllische Stadtbild, geprägt von der noch immer das Zentrum umlaufenden Festungsanlage mit breiten Wallgräben.
Schlacht um Grol
Niederländer dagegen kennen Groenlo unter dem historischen Namen Grol als Ort einer der bedeutenderen Schlachten im Bürgerkrieg des 16. und 17. Jahrhunderts, der sich gegen die Herrschaft des spanischen Königs über die damaligen Niederlande, heute Belgien und Niederlande, richtete.
Der Krieg entwickelte sich aus einem Aufstand der Niederländer gegen den spanischen und katholischen Landesherrn Philipp II., der vor allem von Calvinisten ausging. Nachdem die Spanier den ersten Aufstand noch hatten unterdrücken können, entwickelten sich ab 1572 abermals Unruhen, die nach und nach das ganze Land erfassten.
Grol war in diesem 80-jährigen Krieg als bedeutende Festung mit sprichwörtlicher Stärke für die spanische Herrschaft wichtig – und entsprechend wiederholt umkämpft und wurde wechselseitig belagert und erobert. 1627 können die Truppen der Generalstaaten großräumig abschließen und am 19. August erobern. Vorausgegangen war ein gescheiterter Entsatzversuch eines spanischen Heeres. Die Truppen hatten den Sommer 1627 innerhalb der Vredener Landwehr zwischen den Bauerschaften Ellewick und Gaxel gelegen, die Kavallierie nutzte Höfe zwischen Vreden und Südlohn. Für die Bevölkerung im Münsterland war die überlange Einquartierung eine schwere Belastung.
Aufstand der Niederlande
Die für die Generalstaaten erfolgreiche Eroberung von Groenlo bildet einen wichtigen Baustein zum Gewinn des Krieges und zur Entstehung eines (Nord-)niederländischen Staates im Frieden von Münster 1648. In dieser Logik wurde Groenlo 1627 befreit.
In Groenlo geht man davon aus, dass die Bewohnerinnen und Bewohner nicht auf eine Befreiung gewartet hatten. „Wir haben hier nicht gesessen und darauf gewartet, dass uns irgendjemand befreit“, wird in Groenlo überliefert. Hintergrund ist, dass die Bevölkerung mit den Spaniern und deren König sympathisierte. Der Befreiungskrieg der Niederlande hatte schon früh eine konfessionelle Seite bekommen, in der es um die Interessen von Katholiken und Calvinisten ging – und in Groenlo hatte man wenig Sympathie für die Reformation.
Auch die Idee einer nationalen Identität oder Befreiung war zu Beginn des 17. Jahrhunderts noch nicht sehr weit etabliert. Und dass der 80-jährige Krieg in seiner zweiten Hälfte für die Niederländer in Holland und Zeeland auch eine Grundlage für die Etablierung eines Kolonialreiches, für immens wachsenden Reichtum und eine kulturelle Blüte im sogenannten Gouden Eeuw, im Goldenen Zeitalter war, das hat man wohl auch im Osten des Landes, im Achterhoek wahrgenommen.
Ungleichzeitigkeiten im Krieg
Während man in Amsterdam in Ruhe und Reichtum leben konnte und Geschäfte machen, ging außerhalb des „Tuin von Holland“, des „Vorgartens“ der reichen und mächtigen Provinzen der Krieg immer weiter. Ein schmutziger Krieg, bei dem die Bevölkerung aus taktischen Gründen bewusst in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Die Überflutung von Wiesen und Äckern durch Deichdurchstiche war ebenso an der Tagesordnung wie das verheeren von Feldern, Höfen und Dörfern durch Brand und Gewalt.
In Groenlo ist und war man der Meinung, dass die in den Niederlanden populäre Sicht auf den Krieg als wichtige und richtige Erhebung und Grundlage der Nation zu kurz tritt. Man müssen den Krieg auch Sicht aller politisch Beteiligten sehen, aber auch aus der Sicht der (ländlichen) Regionen und vor allem auch der einfachen Bevölkerungsgruppen: im Achterhoek, aber auch in Brabant und Flandern und eben auch auf den indonesischen Banda-Inseln, die in den Einflussbereich holländischer Kaufleute geraten waren.
Ein neues Museum
In Groenlo will man die Menschen von heute dazu einladen, den Krieg ganz bewusst aus diesen verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und sich als Besucherin oder Besucher selbst ein Bild zu machen. Der Gast schlüpft in die Rolle eines investigativen Journalisten, der sich bemüht, die Geschehnisse zu sehen, einzuordnen und zu verstehen. Mit Kopfhörer und Mikrofon ausgerüstet „befragt“ er die auf Gemälden dargestellten Personen oder Gegenstände – und entscheidet, ob sie oder er die Informationen für glaubwürdig und relevant hält. Die so ausgewählten Informationen werden am Ende des Museumsbesuches zusammengefasst, der Besuchende kann seine Version als Datei mit nach Hause nehmen.
Die alte Calixtuskirche
Für das Museum steht die alte Stadtpfarrkirche St. Calixtus zur Verfügung. Zwischen 1275 und 1520 entstanden, ist sie selbst eine Zeitzeugin des Krieges. Die Besucherinnen und Besucher erhalten an verschiedenen Stationen Informationen und Hintergründe über Zeiten, Personen und Perspektiven des Krieges. Wertvolle Ausstellungsstücke, zu einem Teil aus der Region, zu einem anderen als Leihgabe aus bedeutenden niederländischen Museen bringen die Zeit näher und belegen die Authentizität der Informationen. Aber auch interaktive Angebote, auch mit digitalen Techniken, erweitern die individuellen Erfahrensmöglichkeiten.
Museum als Bürgerinitiative
Das NMTO ist eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die sich in unterschiedlichsten Formen engagieren: als Gastgeberinnen, im Technik-Team, bei der Erstellung von pädagogischen Konzepten. Eine hauptberufliche Leitung und ein hauptberuflicher Kustos sichern das Projekt ab, dass sich neben Förderung aus verschiedenen Stiftungen und Initiativen aus den Eintrittsgeldern der Besuchenden finanziert.
Mehr Information
Bilder, Öffnungszeiten, Adresse, Tickets
unter: www.nmto.nl


H.Lange

Fam. Brösterhaus


