„Die Preußen kommen!“
Die administrative Eingliederung des Westmünsterlandes in den preußischen Staat
Die administrative Eingliederung des Westmünsterlandes in den preußischen Staat
Auf Einladung des Stadtmuseums Borken und der Gesellschaft für historische Landeskunde im westlichen Münsterland am Mittwoch, den 14. September 2011, Dr. Thomas Ohl vom Preußenmuseum Minden/Wesel vor gut 30 interessierten Zuhörern im kleinen Saal des Stadtmuseums.
Bevor Dr. Ohl auf die neuen Verwaltungsstrukturen einging, die nach dem Wiener Kongress 1815 mit der Zuordnung des Münsterlandes in das Königreich Preußen eingeführt wurden, zeigte er auf, wie Preußen auch schon vorher im Westen territorialen Besitz erworben und vergrößert hatte, allerdings waren diese Gebiete ein „Streubesitz“ und weit von dem geschlossenen Kernland des preußischen Staates entfernt.
Die territoriale Entwicklung in der Zeit der napoleonischen Kriege in Europa brachte für das Westmünsterland viele Umbrüche. Die geistliche Herrschaft, also das Fürstbistum Münster, wurde mit der Säkularisierung aufgehoben, die Ländereien wurden zur Entschädigung an vormals linksrheinische Fürstenhäuser gegeben. Dann gerieten die Gebiete des Münsterlandes unter die direkte oder indirekte Herrschaft Napoleons. Der Wiener Kongreß brachte schließlich die Zuordnung von Westfalen und Rheinland zum preußischen Königreich, womit Preußen jetzt im Westen über ein großes, geschlossenes Territorium verfügte, das aber noch nicht mit dem östlichen Teil des Staates verbunden war, weil Hannover dazwischen lag. Das neu dazugewonnene Territorium im Westen hatte in vieler Hinsicht eine andere Basis als das Stammland im Osten des Reiches: Diese Gebiete waren konfessionell weitgehend katholisch, wirtschaftlich schon fortgeschrittener, dichter bevölkert als die östlichen Provinzen und bisher von vielen unterschiedlichen Landesherren regiert worden.
Dass bedeutete, wie der Referent im zweiten Teil seines Vortrages darstellte, das die Herausforderung an den preußischen Staat, diese Gebiete in das schon bestehende Staatsgefüge zu integrieren, sehr groß war. Die westlichen Gebiete wurden in die zwei Provinzen Rheinland und Westfalen aufgeteilt. Diese Provinzen wurden wiederum in Regierungsbezirke und Kreise, in denen mehrere Kommunen zusammengefasst wurden, aufgegliedert; das ergab eine klare und übersichtliche Verwaltungsstruktur, die sich insgesamt bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre 1975 hielt. Dr. Ohl stellte dabei die Rolle und Leistung des ersten Oberpräsidenten von Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, heraus, der gleichzeitig auch noch Regierungspräsident für das Münsterland war. Ihm gelang es trotz manchen Widerstandes, die neue Provinz nach preußischen Grundsätzen zu organisieren.
Der Regierungsbezirk Münster wurde in etwa gleich große Kreise eingeteilt, jeder hatte ca. 35.000 Einwohner, die entweder in Städten mit wenigstens 1500 Einwohnern oder auf dem flachen Land lebten. Der Referent stellte auch knapp die einzelnen Kreise vor und die jeweiligen ersten Landräte, die dem Adel entstammten. Auffällig war, so Dr. Ohl, dass besonders die Amtsinhaber der ersten Stunde, die die neuen Strukturen konkret in die Realität umsetzen mussten, ihr Amt über sehr viele Jahre ausübten, was für eine gewisse Kontinuität sorgte.
Bruno Wolf (+)

Vortrag von Dr. Thomas Ohl zum Thema „Die Preußen kommen!“
(Foto: B. Wolf+)
Vortrag: Der Begriff Heimat (12.10.2011)