Erinnerungskultur – einmal anders
Storytelling-Konzert mit Erzähler, Sängerin und Spielszenen und einer Bigband
Storytelling-Konzert mit Erzähler, Sängerin und Spielszenen und einer Bigband
Ich gebe zu: Der Titel des vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. NRW initiierten und organisierten „Storytelling“-Konzerts am 28. November 2025 in Stadtlohn hat mich neugierig gemacht: „Die Grenze / De Grens“, und der Untertitel noch mehr: „80 Jahre Kriegsende – Musik trifft Geschichte“. Versprochen also: ein anderer, ungewöhnlicher Zugang zur Geschichte.
Der Anlass, die Erinnerung an das Kriegsende vor 80 Jahren, führte zurück zum 80-jährigen Krieg mit dem Überfall auf Stadtlohn, um dann schnell zum Überfall Deutschlands auf die Niederlande 1940 zu kommen. Grenzüberschreitungen, hinüber, herüber. Im Mittelpunkt stand jedoch die Zeit der Judenverfolgung und die Deportation und Ermordung der Familie Lebenstein im 20. Jahrhundert.
Tatsächlich war es ein – hervorragend gelungenes – Experiment, Erzählung über Menschen und ihr Erleben zu verbinden mit anderen Kunstformen, wozu auch das Sprechen, also der Monolog des Erzählers gehörte und natürlich auch das wechselnde und chorische Sprechen der Schülerinnen (er erinnerte an den „Chor“ in der altgriechischen Tragödie). Es war ein Drama, das berührte und sehr angemessen an die Opfer des Terrors erinnerte, auch an Herta Lebenstein aus Stadtlohn, die Namensgeberin der dortigen Herta-Lebenstein-Realschule.
So mündete das Konzert in ein überlautes, bestimmtes „Nie wieder!“ Der starke Beifall des Publikums auch hier zeigte, dass die hervorragende Bigband und ihre Solisten, der Erzähler, die Sängerin, die Sprecherinnen mit der auf Niederländisch eine alltäglich erscheinende Geschichte erzählenden Schülerin „angekommen“ waren. BF
Was andere zum Konzert sagen
Unser Mitglied Karl-Heinz Tünte (Raesfeld) war auch in der Stadtlohner Veranstaltung und hat Herrn Effkemann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Mitveranstalter folgende Email geschrieben:
Sehr geehrter Herr Effkemann, meine Frau und ich waren in Stadtlohn und haben die Veranstaltung besucht. Es war sehr beeindruckend, wie die Teilnehmer aber vor allen Dingen mit welchem Engagement und welcher Überzeugung die Akteure sich dort eingesetzt haben. Besonders hervorzuheben sind der Sprecher, die Sängerin, die Schüler und auch das Orchester. Die Auswahl der Musikstücke passte thematisch sehr gut zu den Wortbeiträgen. Wir waren, wenn man es bei so einem Thema sagen darf, begeistert. Diese Veranstaltung hat aus unserer Sicht gezeigt, wie wichtig es ist, immer wieder an die Schreckenszeit zu erinnern aber dabei auch neue Wege zu gehen. Danke an die Organisatoren und die Akteure. Diese Veranstaltung hätte noch mehr Besucher verdient gehabt. Schade, dass es nur eine Veranstaltung gibt. Danke noch einmal und freundliche Grüße
KH Tünte

Auf der Bühne: Die Bigband mit ihrem Leiter Konrad Koselleck, Vincent Bijlo (NL) als Erzähler (in der Mitte sitzend) und die Sängerin Lilith Walkenhorst (D) in der Mitte bei einem emotionalen Vortrag. (Foto: BF)

Das wechselnde Licht unterstützte die Szenen eindrucksvoll. Im letzten Teil des Konzerts spielten auch die Jugendlichen von der Herta-Lebenstein-Realschule Stadtlohn eine wichtige Rolle. (Foto: BF)

GhL / Th. RidderTagung: Kindheit und Jugend (27.9.2025)